Carlie Schoonees – I eat men like air
Carlie Schoonees beginnt im Rahmen ihrer Residenz im Un-Label Studio mit der Arbeit an ihrer neuen Komposition I eat men like air. Das musikalische Werk für eine Perkussionistin erforscht die weibliche Wut als physische, verkörperte und oft unterdrückte Kraft. Für ihre Recherchephase ist Carlie Schoonees im Februar und März 2026 bei Un-Label im L.I.K. – Labor für inklusive Kultur in Köln zu Gast.
Über die Residenz
Während der Residenz wird die Komponistin Carlie Schoonees ein Solostück für die Perkussionistin Rita Soares komponieren, das weibliche Wut als physische, verkörperte und oft unterdrückte Kraft erforscht. Der Titel I eat men like air stammt aus der letzten Strophe von Sylvia Plaths Gedicht Lady Lazarus:
[…]
Beware
Beware.
Out of the ash
I rise with my red hair
And I eat men like air.
Diese kraftvollen Worte dienen als verdichtetes Bild von Wut, Widerstandskraft und Überleben angesichts systemischer Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen. Anstatt sich ausschließlich mit Plaths Gedicht oder Biografie auseinanderzusetzen, greift das Werk auf die breitere emotionale Landschaft zurück, die diese Formulierung eröffnet: eine Wut, die scharf, roh, verzehrend und kompromisslos ist.
I eat men like air reflektiert darüber, wie weibliche Wut häufig pathologisiert, zum Schweigen gebracht, beschämt oder nach innen umgelenkt wird. Durch Klang, Geste und performative Handlung wird das Stück Emotionen eine Form geben, deren offener Ausdruck gesellschaftlich oft unerwünscht ist.
Performative Elemente und Licht spielen dabei eine zentrale Rolle und verwischen die Grenzen zwischen musikalischer Aktion und körperlichem Ausdruck. Komponistin und Performerin suchen gemeinsam nach Wegen, Gesten und Bewegungen, um Wut in Klang zu übersetzen. Dabei steht der Körper als Träger von Erinnerung, Frustration und Widerstand in den Mittelpunkt.
Letztlich ist das Werk ein Akt der Sichtbarmachung: eine Auseinandersetzung mit Wut nicht als etwas Zerstörerischem oder Beschämendem, sondern als Reaktion auf gelebte Erfahrung, Trauma und Durchhaltevermögen.
Künstler*innen
Carlie Schoonees
Carlie Schoonees ist eine südafrikanische Komponistin, lebt und arbeitet in Köln. Sie arbeitet in den Bereichen Instrumentalmusik, Musiktheater, elektroakustische Musik sowie in multimedialen, performativen und interdisziplinären Zusammenhängen. In ihrer Musik setzt sie sich häufig mit psychologischen Themen auseinander, darunter auch mit ihrer eigenen Neurodivergenz. Dafür nutzt sie Texte, aus der Natur entlehnte Metaphern sowie musikalische und performative Gesten. Schoonees’ Werke wurden unter anderem bei Festivals wie Acht Brücken (2024), dem ORBIT Festival for Contemporary Theatre (2024), AvantGarten Liedberg (2020) sowie dem südafrikanischen Woordfees (2018) in Auftrag gegeben und aufgeführt. Im Rahmen der Konzertreihe Adventure hatte sie drei Uraufführungen mit dem Ensemble Musikfabrik, nahm an Workshops mit Ensembles wie dem JACK Quartett teil und erhielt einen Kompositionsauftrag der Universität Bonn, der im Beethoven-Haus in Bonn uraufgeführt wurde. Nach ihrem Kompositionsstudium an der Stellenbosch University, Südafrika, bei Hans Roosenschoon zog sie 2019 nach Köln. Dort schloss sie zwei Masterstudiengänge – Instrumentalkomposition und Elektronische Komposition – an der Hochschule für Musik und Tanz Köln ab. In dieser Zeit studierte sie unter anderem bei Sergej Maingardt, Michael Beil, Annesley Black, Brigitta Muntendorf und Miroslav Srnka.
Rita Couto Soares
Rita Couto Soares ist eine portugiesische Perkussionistin, deren Arbeit sich auf zeitgenössische Musik konzentriert. Sie interessiert sich besonders für die Aufführung neuer Werke und die Zusammenarbeit mit Komponist*innen. Sie studierte Schlagzeug an der Universität Minho bei Nuno Aroso und absolvierte zwei Masterstudiengänge in Soloperkussion und Neuer Musik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wo sie bei Carlos Tarcha und Dirk Rothbrust studierte. Rita nahm an internationalen Programmen wie den Darmstädter Ferienkursen, dem European Workshop for Contemporary Music und der Remix Ensemble Academy teil. Sie trat bei renommierten Festivals für zeitgenössische Musik wie Acht Brücken und Warsaw Autumn, und arbeitete mit Gruppen wie dem Ensemble Musikfabrik und unfeed.
Bildcredits: 1) Sophia Hegewald, 2) und 3) Anna Tena
Über die Un-Label Künstler*innen-Residenz
Die Künstler*innen-Residenzen von Un-Label bieten Kunstschaffenden mit Behinderung die Möglichkeit, eigene kreative Projekte umzusetzen und dabei gezielt unterstützt zu werden. Im Labor für inklusive Kultur (L.I.K.) in Köln-Neuehrenfeld entsteht ein zentraler Ort, an dem Künstler*innen mit Behinderung zusammenkommen, sich vernetzen und in einem inklusiven Umfeld arbeiten können. Neben finanzieller, personeller und logistischer Unterstützung liegt ein Fokus auf interdisziplinärer und intersektionaler Zusammenarbeit. Un-Label arbeitet zudem mit Netzwerkpartnerinnen zusammen, um Barrierefreiheit und die Förderung von Künstlerinnen mit Behinderung nachhaltig in der Kulturszene zu verankern.
